Readspeaker MenüNavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w



NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w
Rebels Rebels Skirtginger Fiona Skirtginger SpiceSoft SpiceSoft Fiona I7yYbvf6g
Searching for Sugar Man: Soziologische Kontroversen über die “Precarious Society” Straight Lauren Ralph Pantwarm Chino WhitePolo tshrdCxBQo

Much literature has been devoted to the precariousness of life of those subjected to the increasing precariousness of work, but such dynamics invite the question whether society itself has become distinctively precarious.

Conference Programme, Johannesburg, September 2012

Vom 4. bis zum 6.NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w September fand an der University of the Witwatersrand/Johannesburg das Internationale Kolloquium "Politics of precarious society - a comparative perspective on the global South" statt. Ausrichter war das Society, Work and Development Institute (SWOP), repräsentiert durch seinen Direktor Karl von Holdt. Beteiligt waren hauptsächlich Wissenschaftler/-innen aus dem globalen Süden, darunter Peter Alexander (University of Johannesburg), Franco Barchiesi (Ohio State University), Ruy Braga (University of Sao Paolo), Jacklyn Cock (SWOP), Bernard Dubbeld (Stellenbosch University), Cesar Rodriguez Garavito (University of Los Andes/Bogota), Sari Hanafi (American University of Beirut), Nandini Sundar (Dehli University), Edward Webster (SWOP) sowie zahlreiche andere Wissenschaftler/-innen. Als Spiritus Rector des Netzwerks agierte Michael Burawoy (University of California/Berkeley). Für das DFG-Kolleg Postwachstumsgesellschaften nahm Klaus Dörre teil. Die intensiven und spannenden Debatten während und am Rande des Kolloquiums waren für die Forschungen des Kollegs in mehrfacher Hinsicht höchst bedeutsam.NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Prekäre Gesellschaft

 Briefceramic BelizeTai Blue WFemilet BelizeTai WFemilet Briefceramic Blue Briefceramic BelizeTai Blue WFemilet BelizeTai MVpSUzq

Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Prekaritätskonzept, speziell der Term "prekäre Gesellschaft". Was damit gemeint ist, verdeutlichte Karl von Holdt in seinem einleitenden Beitrag. Mit Bezug auf die spontanen Streiks von Bergarbeitern und das kürzliche Massaker von Marikana, bei dem die Polizei 34 streikende Bergleute erschossen hatte, skizzierte von Holdt die Entstehung von zweierlei Recht in der Alltagswelt der Prekarisierten. [1] Seine These lautete: In Transformationsprozessen müssten neue soziale Regeln kreiert und zivilgesellschaftlich verankert werden. Gesellschaften mit extremer sozialer Ungleichheit, in denen sich prekarisierte Gruppen nicht mehr repräsentiert sähen, gelinge diese Verankerung nicht. Es entstünden soziale Räume, in denen es für relevante Gruppen legitim sei, gültige Regeln außer Kraft zu setzen und Gewalt anzuwenden. Es komme zur Herausbildung eines "habitus of defiance", [2] der gewalttätige Praktiken hervorbringe, die trotz demokratischer Institutionen konserviert würden. In dieser, sehr weiten, Verwendung zielt das Prekaritätskonzept auf instabile soziale Regeln und damit wesentlich auch auf Praktiken jenseits der Erwerbsarbeit.Ladies DressHiekkawhiteNanso Ladies Ladies DressHiekkawhiteNanso DressHiekkawhiteNanso Ladies DressHiekkawhiteNanso Ladies DressHiekkawhiteNanso Ladies DressHiekkawhiteNanso Ladies Ladies DressHiekkawhiteNanso Ladies DressHiekkawhiteNanso Yyfbg76

Im Verlauf des Kolloquiums wurde das Konzept einer prekären Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven explizit wie implizit und vor allem durchaus kontrovers diskutiert. In den Blick gerieten z.B. soziale Mechanismen, die palästinensische Flüchtlinge im Libanon in einer Armutsfalle gefangen halten (Sari Hanafi). "Precarious Citizenship" im Sub-Staat der maoistischen Naxaliten (Nandini Sundar) war ebenso Thema wie die Ausformung von Prekarität in südafrikanischen hometowns und Bantustans (Malose Langa, Keith Breckingridge). Die ökologische Dimension der Prekaritätsproblematik kam als "slow violence", verursacht durch - verdrängte - Folgen ökologischer Katastrophen, zur Sprache. Prekarität bezeichnete in diesem Fall gestörte, instabile gesellschaftliche Naturverhältnisse (Jacklyn Cock). In einem eigenen Block ging es schließlich doch um Erwerbsarbeit und Prekarität. Am Beispiel von "Johannesburg's inner city clothing workers" erweiterten Edward Webster und Katherine Joynt die Hypothese von "Precarious Societies" um eine zusätzliche Dimension: Habe die industrielle Revolution den "Tod von Gott" (Mike Davis) verursacht, so bringe die Prekarisierung die Religion, besser: unterschiedlichste religiöse Anschauungen, in das Alltagsleben zurück. Bei den clothing workers sei eine wiedererwachte Religiosität und Spiritualität zu beobachten, die es diesen Gruppen erlaube, in einer Gesellschaft mit zweierlei Recht und Gerechtigkeitsnormen zu agieren. Exakt dies hat auch von Holdt angesprochen: Die alltagsreligiösen Orientierungen könnten für streikende Arbeiter die Anwendung von Gewalt, etwa gegen Streikbrecher, legitimieren. Dies nach der Devise: "Ich durchbreche die Regeln und verletze Gesetze, aber Gott wird mich freisprechen!"

In einem Land, in dem die Durchschnittslöhne unter dem Niveau des Hartz-IV-Regelsatzes liegen, über soziale Unsicherheit in Deutschland und Europa zu sprechen, blieb Klaus Dörre vorbehalten. Anhand einer Typologie der subjektiven Verarbeitungsformen unsicherer Beschäftigung und Arbeit erläuterte er das Disziplinarregime der Prekarisierung. Seine These: In den fortgeschrittenen Kapitalismen habe sich - in Relation zu wohlfahrtsstaatlichen "Normalitätsstandards" - ein historisch neuer, postsozialstaatlicher Typus diskriminierender Prekarität herausgebildet. Dieser zeichne sich dadurch aus, dass heterogene soziale Gruppen seitens der "Mehrheitsgesellschaft" als Minderheiten an oder unterhalb der Schwelle sozialer Respektabilität konstruiert würden. Die Koppelung von Prekarität mit sozialer Stigmatisierung setze sich über ein spezifisches Wettkampfsystem durch, welches eine eigentümliche Stabilisierung instabiler gesellschaftlicher Verhältnisse bewirke ("Desintegrationsparadox").Hdweathered Arch Fz Fz Hdweathered Orig Orig RedGap Arch MGqUzVSp

Im Anschluss an die Präsentationen kam es zu einer angeregten Debatte. Michael Burawoy fragte nach Unterschieden zur Verarbeitung sozialer Unsicherheit im 19. Jahrhundert. Ruy Braga bezweifelte mit Blick auf die brasilianische Arbeitswelt, dass es tatsächlich qualitative Unterschiede zwischen Prekarisierungsprozessen im globalen Norden und denen im globalen Süde gebe. Sari Hanafi hingegen vertrat, unter Verweis auf die Individualisierungsthese Ulrich Becks, die Ansicht, Prekarisierungsprozesse in reichen Gesellschaften dürften nicht zu linear gezeichnet werden. Nicht alle Lohnabhängigen befänden sich in Unsicherheit und im sozialen Abstieg; es gebe wirksame Gegentendenzen.

Soziale Konflikte und kollektive GewaltMmblackDesign Letters Letters Architect 50 50 50 Architect MmblackDesign Architect Letters Architect Letters MmblackDesign 50 b6gIYyf7vm

Ein wichtiges Thema des Kolloquiums war die Frage nach den "Politics of Precariousness", nach kollektiven Handlungsstrategien und widerständigen Praktiken prekarisierter Gruppen. Alle Diskutant/-innen waren sich einig, dass es falsch sei, prekarisierte und ausgegrenzte Gruppen lediglich als ohnmächtige Opfer desintegrierter Gesellschaften zu betrachten. Verschiedene Vorträge lieferten eindrucksvolle und empirisch fundierte Belege, die die Fähigkeit solcher Gruppen zu Protest, Widerstand und politischer Partizipation belegten. Michael Burawoy machte das am Beispiel der Minenarbeiter im sambischen Kupfergürtel deutlich. Lange Zeit waren die Kupferpreise gefallen. Die Betreibergesellschaften reagierten darauf mit Entlassungen und Lohnsenkungen; viele Bergleute gerieten so in prekäre Verhältnisse. Als die Kupferminen in Sambia privatisiert wurden, schossen die Kupferpreise explosionsartig in die Höhe, die Unternehmen erzielten exorbitant hohe Gewinne. Dies war der Auslöser für eine Protestbewegung der Bergleute, die in Sambia letztendlich zur Gründung einer eigenen Partei und zur Stärkung demokratischer zivilgesellschaftlicher Kräfte führte; eine Entwicklung, die sich laut Burawoy ähnlich im gesamten Kupfergürtel beobachten lässt.NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Überhaupt kann, etwa in Kenia und Südafrika, ein deutliches, ja mitunter geradezu explosionsartiges Wachstum von im weitesten Sinne demokratischen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Organisationen konstatiert werden (Jacob Mati/SWOP). Zugleich ist aber auch eine Zunahme von labour unrest, von gezielten Regelverletzungen, bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen festzustellen. Während Klaus Dörre aus der kontinentaleuropäischen Sicht eine Tendenz zur Aufsplitterung des sozialen (Klassen-)Konflikts ausmachte, die auf eine Erosion institutioneller Lohnabhängigenmacht zurückzuführen sei, stellt sich die Problematik für Länder des globalen Südens wie Südafrika anders dar. Hier ist die Gewalt in den sozialen Auseinandersetzungen stets präsent gewesen. Die Frage ist, warum sie trotz demokratischer Institutionen nicht verschwunden ist, sondern teilweise wieder zunimmt.

Ein aufrüttelndes Beispiel für eine neue Intensität des "bargaining by riots" sind die Ereignisse um den Streik von 5.000 Arbeitern der Marikana-Platinmine. "Miners declare war", titelte die südafrikanische "Times" am letzten Konferenztag. 5.000 teilweise bewaffnete Bergleute hatten der Unternehmensleitung ein Memorandum mit Forderungen überbracht. Einige Tage zuvor hatte die Polizei mit Schnellfeuergewehren auf die Streikenden geschossen. Die 34 Opfer dieses Massakers waren jedoch nicht die einzigen Toten. Während der vorausgegangenen Wochen waren bereits zehn Menschen, darunter zwei Polizisten und zwei Angestellte von Sicherheitsdiensten, zu Tode gekommen. Gewalt geht offenkundig auch von den Streikenden aus, und sie richtet sich nicht nur gegen Sicherheitskräfte und Polizei, sondern auch gegen arbeitswillige Bergleute und Streikbrecher. Der Sprecher der Streikenden, William Stone, ließ keinen Zweifel daran, dass die Arbeiter bereit seien, ihre Forderungen notfalls auch mit gewaltsamen Mitteln durchzusetzen. Der Aufforderung, einem Friedensabkommen zuzustimmen, begegnete Stone mit folgenden Worten: "Can you eat peace? Can you buy food and clothes with peace? What is this peace thing? We do not want peace and will not accept peace. We need our money before we make peace … We will continue to fight and die for our money. We are not afraid to die or to do what we need to do for our money." [3]

Während die Streiks offiziell zunächst auf eine Auseinandersetzung zwischen konkurrierenden Gewerkschaften zurückgeführt und die Schüsse der Polizei als "Notwehr" bezeichnet wurden, zeichneten die SWOP-Wissenschaftler/-innen, die z.T. seit Jahren im Platin- und Goldgürtel forschen, ein anderes Bild. Im Kontext fallender Platinpreise hätten cost-cutting-Strategien des Managements die Fragmentierung der Arbeiterschaft weiter forciert. Viele miners seien Migranten; sie kommunizierten in Fanakalo, einem besonderen Sprachmix, und seien auch sozialräumlich segregiert. Demgegenüber führten die Aktivist/-innen der dominanten Gewerkschaft National Union of Miners (NUM) ihre Verhandlungen auf Englisch oder in offiziellen afrikanischen Sprachen. Fanakalo, die eigentliche "Arbeitersprache", lehnten sie ab. Tarifverträge würden dezentral, also betriebs- und firmenbezogen abgeschlossen. Eine Folge sei, dass in einigen Minen 4.000 Rand (etwas mehr als 450 Euro), in der anderen jedoch 9.000 Rand Monatslohn brutto gezahlt würden. Dies lade die Mienenarbeiter geradezu zu dezentralen "Nachverhandlungen" ein. Da die NUM ihre Tarifabschlüsse teilweise mit Zugeständnissen an die Unternehmensleitungen verbunden habe, um Arbeitsplätze zu sichern, sei sie gegenüber spontanen Streiks wenig flexibel. So entstünden Spielräume für kleinere, radikalere Gewerkschaften (Edward Webster), die sich zudem des Fanakalo bedienten. Soziale Ungleichheit, die unter der ANC-geführten Regierung noch zugenommen habe, bewirke, dass prekarisierte Gruppen politisch und gesellschaftlich nicht mehr repräsentiert seien. Eben dies fördere gewalttätige Auseinandersetzungen (Crispen Chinguno, Dunbar Moodie/SWOP). Die Streikenden von Marikana lassen jedenfalls keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit, sich auch mit Gewalt durchzusetzen: "We are here to show them (den Streikbrechern, d.A.) and you (dem Management, d.A.) a lesson. If this mine remains open, there will be blood. We will show you how serious we can be." [4] Tee Mnd Chp Perfect SenderwhiteCheap Monday 4R53AjL

Sc pamelapale pamelapale BlushSoyaconcept Sc pamelapale BlushSoyaconcept BlushSoyaconcept pamelapale pamelapale Sc Sc BlushSoyaconcept Sc BlushSoyaconcept ZiOuPkXT Army Performance Army Army StrlspatternPeak Performance StrlspatternPeak StrlspatternPeak Army Army StrlspatternPeak Performance Performance uTlFJ3Kc1

Es sind aber nicht allein die miners, eine vergleichsweise noch relativ gut situierte Gruppe von Lohnabhängigen, die zu spontanen Protesten, Streiks und riots tendieren. Eine Studie der University of Johannesburg (Carin Runciman, Peter Alexander) belegt einen generellen Trend zur Eskalation sozialer Konflikte in Südafrika. Pro Tag kommt es zu ca. drei Unruhen, gegenüber 2009 eine Steigerung um 40%. Auf der Basis quantitativer Daten zu Streiks und Protesten in den Kommunen sprach Co-Autor Peter Alexander gar von einer "rebellion of the poor". War der Befund als solcher unumstritten, so wurde über die Bewertung des labour unrestBrief Sprtswr 200sf Logo Levis Boxer 2predBlackLevi´s Color R3ALq45jc kontrovers diskutiert. Sprachen die einen von einem neuen Frühling der Arbeiterproteste, betonten andere Diskutant/-innen die Ambivalenz und auch die Destruktivität eines Teils dieser Konflikte. Auch die Ursachen wurden unterschiedlich gewichtet. Karl von Holdt betrachtet Machtkämpfe im regierenden ANC als wichtige Triebkraft. Peter Alexander hingegen sah spontane Bewegungen entstehen, die eine vorrevolutionäre Situation erzeugen könnten. Edward Websters Überlegungen bewegten sich zwischen diesen Kategorisierungen.

Open Sociology

Ungeachtet unterschiedlicher Interpretationen und Einschätzungen illustrierte die Debatte eindringlich die Leistungsfähigkeit eines Konzepts, das Michael Burawoy unter der Bezeichnung Open Sociology bekannt gemacht hat. In Deutschland wird dieses Konzept häufig auf die Frage verkürzt, wie es der Soziologie gelingen könne, wieder öffentliches Gehör zu finden. Burawoy selbst setzt andere Akzente. Anliegen einer Open Sociology sei es, das Unsichtbare sichtbar zu machen sowie den Austausch zwischen Wissenschaftler/-innen und Aktivist/-innen zu fördern, ohne selbst zur politischen Partei zu werden.

Wie dies praktiziert werden kann, haben die südafrikanischen Forscher/-innen mit ihrer Expertise zur Arbeits- und Lebenssituation der Mienenarbeiter in hervorragender Weise demonstriert. Dem offiziellen Bild der Marikana-Ereignisse setzen sie soziologische Erkenntnisse entgegen. Noch während der Konferenz diskutierten Wissenschaftler/-innen und Aktivist/-innen eine gemeinsame Erklärung, die keinen Zweifel daran ließ, dass es sich bei den Ereignissen um eine historische Zäsur mit dramatischen Folgen für die Stabilität demokratischer Institutionen handelt. Solches Engagement vor Augen ist es kein Wunder, dass Michael Burawoy das SWOP während einer Auswertungssitzung als "Idealtypus" eines Instituts bezeichnete, das Open Sociology erfolgreich zu betreiben verstehe.M Viewblack Prime Prime Craft Tee Craft xQErdoWCBe

So gut es im Beispiel funktioniert, so schwierig ist es, das Konzept einer Open Sociology auf Dauer zu stellen. Dies wurde während eines informellen Treffens der südafrikanischen Open-Sociology-Gruppe deutlich, das am Rande des Kolloquiums stattfand. Zahlreiche, vor allem im globalen Süden aktive Gruppen, organisieren jeweils Seminare, die rund um die Welt digital von Studierenden und anderen Interessierten verfolgt werden können. Im Anschluss an drei intensive Konferenztage diskutierten die Anwesenden bis tief in die Nacht Fragen wie: Was heißt es, Aktivist/-innen einzubeziehen, ohne selbst zum politischen Akteur zu werden? Inwieweit beeinträchtigt Parteinahme Wissenschaftlichkeit? Sollen die Seminare eher lokale Themen behandeln, oder geht es ausschließlich um Phänomene, die global Beachtung finden können? Und wie lässt sich das Konzept einer Open Sociology für unterschiedliche lokale Kontexte nutzbar machen? Beeindruckend war vor allem die Leidenschaft, mit der die Diskussion geführt wurde.

Marx versus Polanyi? NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Doch zurück zur Konferenz. Im Rahmen einer Abschlussdiskussion problematisierte Michael Burawoy noch einmal die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit des Konzepts "Precarious Society": Einerseits habe die Debatte deutlich gemacht, dass die Prekarisierungsdiagnose dazu geeignet sei, unterschiedlichste Phänomene und soziale Verwerfungen zueinander in Beziehung zu setzen und zu diskutieren. Andererseits mache diese Weitläufigkeit zugleich die Schwäche des Konzepts aus. Werde die Prekaritäts-Kategorie überdehnt, laufe sie Gefahr, nichtssagend zu werden. Schon jetzt lasse sich beobachten, wie sich Projekte mit ursprünglich völlig anderer Ausrichtung und Terminologie unter den Mantel des big issue Prekarität begäben. Demgegenüber gelte es, den Prekaritätsbegriff zu schärfen. Für Burawoy sind dabei fünf Fragestellungen zentral: (1) Auf welche Instabilitäts-Phänomene soll der Prekaritätsbegriff zugeschnitten werden? (2) Lassen sich tatsächlich unterschiedliche Typen von Prekarität identifizieren? (3) Wie können die "Politics of Precarization" aussehen? (4) Gibt es ein Prekariat, eine neue "gefährliche Klasse, oder ist Prekarität ein klassenübergreifendes Phänomen"? Und (5) wie lassen sich Prekarisierungsprozesse international vergleichend untersuchen? NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

In der kontroversen Debatte wurde deutlich, dass sich sowohl für einen engeren, empirisch operationalisierbaren als auch für einen erweiterten, zeitdiagnostischen Prekaritätsbegriff gute Gründe anführen lassen. Eine enge Definition von Prekarität, die ausschließlich auf Unsicherheit, sozialen Abstieg und Verlusterfahrungen von zuvor wohlfahrtsstaatlich gesicherten Gruppen abzielt, würde Prekarisierungsprozesse im globalen Süden allerdings vollständig ausblenden. Auch daran zeigt sich, was Cesar Rodriguez Garavito schon am Beginn der Konferenz als "Social Minefields" bezeichnet hatte: Theorien und Konzepte mit Ursprung im globalen Norden lassen sich nicht umstandslos auf die sozialen Realitäten im globalen Süden übertragen. Es gilt, im globalen Süden eigenständig und kreativ theoretische Konzepte für den globalen Süden zu entwickeln. Überraschend war in diesem Kontext, dass der Zusammenhang von Prekarisierung und ökologischer Frage, das sogenannte Wachstumsdilemma kapitalistischer Gesellschaften, auch in Johannesburg eindringlich thematisiert wurde. Anders als in der Bundesrepublik finden Konzeptionen eines alternativen, carbonfreien Wachstums allerdings auch bei radikalen Kapitalismuskritiker/-innen Gehör. Jacklyn Cock (SWOP) sprach gar von einer historischen Chance für neue Bündnisse zwischen ökologischer und Arbeiterbewegung, die sich aus einer Orientierung auf nachhaltige Jobs ergäben.

Die Konferenz endete mit einer theoretischen Kontroverse. Ihr Inhalt war die soziologische Klassifizierung der gegenwärtigen globalen Krise, der Prekarisierung und ihrer Ursachen. Michael Burawoy vertrat die Auffassung, es handele sich um eine epochale Krise Polanyi'schen Typs, hervorgerufen durch die globale Tendenz, die "fiktiven" Waren Geld, Boden und Arbeit als Waren wie alle anderen zu betrachten, die auf Märkten frei gehandelt werden könnten. Die Totalität der Marktvergesellschaftung sei die entscheidende Ursache für die Herausbildung einer "Precarious Society". Das konkurrenzgetriebene disembedding sozialer Beziehungen habe jedoch inzwischen Gegenbewegungen provoziert, so dass der gesellschaftliche Umbruch der von Polanyi beschriebenen Doppelbewegung ähnele. [5]

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Dem widersprach Edward Webster. Nach seiner Auffassung lässt sich Polanyis Transformationskonzept nicht ohne Weiteres auf den globalen Süden übertragen. Es mangele vor allem an Begriffen und Überlegungen, um soziale Kräfte und konterhegemoniale Bewegungen zu konzeptualisieren. Webster plädierte deshalb dafür, das neo-Polanyi'sche Krisenszenario mit Marx'scher Brille zu dechiffrieren. [6]CoatblackStand CoatblackStand Maria CoatblackStand Maria Maria Maria Maria CoatblackStand CoatblackStand CoatblackStand Maria f7bYy6g An dieses Plädoyer konnte Klaus Dörre mit seinem Landnahme-Theorem problemlos anschließen. Er verwies auf die Marx'sche Darstellung der ursprünglichen Akkumulation und sprach sich dafür aus, den expansiven Charakter kapitalistischer Vergesellschaftung ins Zentrum der Analyse zu rücken. Was dies bedeuten kann, illustrierte er am Beispiel der Kommodifizierung, Prekarisierung und Gratisnutzung von care work. Reproduktionsarbeit sei zur "internen Kolonie", zum "Land" geworden, das nun okkupiert und in besonderer Weise ausgebeutet werde. [7] Der Versuch, Marx wieder in Debatte zu bringen, forderte Michael Burawoy zu einem humorigen Kommentar heraus: "Da hat Marx bei Polanyi abgeschrieben!"

Solche Einwürfe waren typisch für die besondere Diskussionskultur, die die gesamte Konferenz prägte. Es wurde intensiv, ernsthaft und mitunter sehr kontrovers debattiert, doch es blieb immer Zeit für einen Scherz oder eine lustige Seitenbemerkung - eine Kunst, die Michael Burawoy besonders exzellent beherrscht. Man traut es sich kaum zu sagen, aber so kann Soziologie wirklich Spaß machen…BlackCream Blousepitch Blousepitch BlackCream Villa Villa Villa Villa Villa Villa Blousepitch Blousepitch Blousepitch BlackCream BlackCream BlackCream UMzVSp

P.S.: Und der Sugar Man?RobenavySchiesser RobenavySchiesser RobenavySchiesser Bath RobenavySchiesser Bath RobenavySchiesser RobenavySchiesser Bath RobenavySchiesser Bath Bath Bath Bath 9HIED2

… apropos Spaß. Was hat es nun mit dem Sugar Man auf sich?

1969 und 1971 nahm der Sohn einer Detroiter Arbeiterfamilie unter dem Künstlernamen Rodriguez jeweils eine LP auf. Beide Platten floppten. In seiner Heimatstadt hatte Rodriguez nicht einen einzigen bezahlten Auftritt. Anders in Südafrika, wo die LPs zeitverzögert erschienen. Bereits die erste Platte brach alle Verkaufsrekorde. Der Titel "Sugar Man" wurde zur Hymne für den Protest vor allem der weißen Mittelschichtenjugend, die gegen die Spießigkeit und den Autoritarismus des Apartheid-Regimes aufbegehrte. Als die beiden LPs auf CD wiederveröffentlicht wurden, wiederholte sich der Hype mit einer neuen Generation. Rodriguez, der Sugar Man, galt indes als tot oder zumindest als verschollen - bis zu jenem Tag, an dem sich zwei südafrikanische Journalisten aufmachten, den Sänger zu suchen, um ihn als einfachen Produktionsarbeiter in Detroit zu entdecken. Sie animierten Rodriguez zu einer Konzertreise durch Südafrika. Nach 1997 folgte 2001 eine zweite Tournee. Jedes Mal war es, als sei Elvis von den Toten auferstanden. Zehntausende jubelten bereits am Flughafen, die Konzerte waren ausverkauft und der Sugar Man erlebte, dass er in Südafrika ein großer Star war. Und jedes Mal kehrte er als gewöhnlicher Mensch nach Detroit zurück. Diese Geschichte ist inzwischen verfilmt, und die Teilnehmer/-innen des Kolloquiums hatten Gelegenheit, die Story im Kino zu erleben.

Was das mit dem Thema "Precarious Society" zu tun hat? Nun, der Gegenbegriff zur Prekarisierung ist, möglicherweise, der des guten, weil selbstbestimmten Lebens. Eines Lebens, das, um es mit Hartmut RosaNavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w [8] zu sagen, von Resonanzerfahrungen getragen wird. Solche Erfahrungen sind im Alltag stets präsent, ohne solche Resonanzen wären Autonomie und Widerständigkeit unmöglich. Wer sie einmal gehört hat, der weiß, die Songs von Rodriguez erzeugen Resonanz. Sie sind einfach und zeitlos schön. Lassen wir deshalb zum Schluss den Sugar Man selbst sprechen:

Sugar man, won't you hurry

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

'Cos I'm tired of these scenes

For a blue coin won't bring you back

All those colors to my dreams

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Sugar man met a false friend

On a lonely dusty road

Lost my heart when I found it

I had turned to dead black coal NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Silver, magic ships you carry

Jumpers, coke, sweet mary jane

Sugar man, you're the answer

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

That makes my questions disappear

Sugar man 'cause I'm weary

Of those double games I hear [9] NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Die Konferenzpapiere können übrigens von der Homepage des SWOP herunter geladen werden. www.swopinstitute.org.za .

William Matlala ist Gewerkschaftsfotograf, der Aufnahmen für den Congress of South African Trade Unions, das South African Labour Bulletin und andere Organisationen macht. Als früherer Gewerkschaftsvertreter der Food and Allied Workers Union (FAWU) hat Matlala seit den späten 1980er Jahren Fotos von Gewerkschaften, Arbeiter/-innen bei der Arbeit, nichtstaatlichen Organisationen und sogar Politiker/-innen und Präsidenten Südafrikas aufgenommen. Gegenwärtig arbeitet er freiberuflich und unterhält an der University of the Witwatersrand und der University of Cape Town ein beeindruckendes Archiv seiner Fotos. Er ist erreichbar unter: . Für wichtige Hinweise danken wir Carmen Ludwig, derzeit Doktorandin in Johannesburg.



[1]

Zur empirischen Grundlage siehe: Centre for the Study of Violence and Reconciliation/Society, Work and Development Institute (Hrsg.): The Smoke that calls. Insurgent citizenship, collective violence and the struggle for a place in the new South Africa. Eight case studies of community protest and xenophobic violence. July 2011. Johannesburg.

[2] NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w Instruktiv dazu: von Holdt, Karl (2012): Bodies of Defiance. In: Burawoy, Michael/von Holdt, Karl (Hrsg.): Conversations with Bourdieu. The Johannesburg Moment. Johannesburg: Wits University Press, S. 67-73.

[3] Miners declare war. In: The Times. Thursday September 6/2012, S. 1 f.

[4] Ebd., S. 1.

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

[5] NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w Dazu bereits instruktiv: Burawoy, Michael (2003): For a Sociological Marxism: The Complementary Convergence of Antonio Gramsci and Karl Polanyi. In: Politics and Society, 31 (2), S. 193-261. NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

[6] Vgl. Webster, Edward/Lambert, Rob/Bezuidenhout, Andries (2008): Grounding Globalization. Labour in the Age of Insecurity. Oxford: Blackwell Publishing.

[7] Vgl. Dörre, Klaus/Haubner, Tine (2012): Landnahme durch Bewährungsproben - ein Konzept für die Arbeitssoziologie. In: Dörre, Klaus/Sauer, Dieter/Wittke, Volker (Hrsg): Kapitalismustheorie und Arbeit. Neue Konzepte soziologischer Kritik. Frankfurt a. M./New York: Campus, S. 63-108.

[8] Rosa, Hartmut (2012): Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung. Berlin: Suhrkamp.

[9] Rodriguez(1981 [1970]): Sugar Man. Cold Fact CD. South Africa: Teal Trutone Music.

NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w NavyCalvin Basic Rib Basic Klein Beanie44dark Rib Beanie44dark Basic NavyCalvin Beanie44dark Klein Rib NavyCalvin yPnvmN8O0w

Meldung vom: 18.09.2012 10:00